
Dieses Dokument wurde im Konsens beschlossen und gilt für alle Aktionen, die unter dem Namen und in Verbindung zu unserer Bewegung stehen. Wir bitten euch sehr, das Awarenesskonzept gründlich durchzulesen und zu befolgen, denn es ist uns sehr wichtig und Grundsatz dafür, dass wir uns alle sicher und verantwortungsbewusst in Aktion begeben können.
Die treibende Motivation hinter unserem Projekt ist die Vision des Guten Lebens für Alle und faktische, statt nur rechtliche Gleichberechtigung aller Menschen.
Daher sehen wir es als unsere oberste Verantwortung, auch in unserer Bewegung Machthierarchien und strukturelle Diskriminierung jeder Art abzubauen.
Awareness (dt. Achtsamkeit) bedeutet für uns ein achtsames und aufmerksames Miteinander, in dem sich jeder Mensch wohl und willkommen fühlen soll. Deshalb
erwarten wir von jedem Menschen, der sich in unserer Bewegung engagiert, sich mit dem Awarenesskonzept auseinanderzusetzen. Dieses Awarenesskonzept ist ein
lebendes Dokument und erfüllt nicht den Anspruch, vollständig zu sein.
Awareness ist Gruppenaufgabe. Es ist nicht Aufgabe der Awareness-Personen, sondern Aller, dazu beizutragen, dass sich in unseren Räumen alle Menschen wohl und willkommen fühlen können.
Wir wollen alle Formen struktureller Diskriminierung erkennen und dekonstruieren (unter anderem Klassismus, Abeleismus, Altersdiskriminierung, Antisemitismus,
antimuslimischen Rassismus). Insbesondere haben wir den Anspruch eine queerfeministische, antirassistische und mackerfreie Bewegung zu sein. Wir verstehen den Kampf gegen Diskriminierung grundsätzlich intersektional.
Wir bekennen uns zum Konzept der Transformativen Gerechtigkeit. Gewaltausübende Personen sollen in und durch ihre Umfelder zur Verantwortungsübernahme bewegt
werden. Diese Form der sog. „Accountability“ beinhaltet, die Gewalt unmittelbar zu unterbrechen, die Verpflichtung zukünftig keine Gewalt mehr auszuüben und Angebote zur Wiedergutmachung für die verübten Grenzverletzungen.
Strukturelle Diskriminierung hängt nicht von der Intention sondern von der Wirkung ab und Diskriminierungserfahrungen sind sehr individuell. Daher
entscheidet allein die betroffene(n) Person(en), ob eine Situation diskriminierend ist oder nicht. Deshalb sollte nicht darüber diskutiert werden, ob eine Situation diskriminierend ist oder nicht.
Stattdessen versuchen wir grundsätzlich, das eigene Verhalten zu reflektieren und nehmen insbesondere Kritik an. Es ist insbesondere die Verantwortung privilegierter Menschen, sich über Formen der strukturellen Diskriminierung weiterzubilden.
Awareness legt den Fokus prinzipiell auf Betroffene, nicht auf Täter*innen. Awareness heißt des weiteren, Beistand zu leisten, Betroffenen den Rücken zu stärken und ihre Kämpfe zu unterstützen, nicht sie zu „beschützen“ oder zu bevormunden.
In extremen Fällen können einzelne sexistische, rassistische oder anders diskriminierende Aussagen oder Taten Grund für einen Ausschluss aus der Gruppierung sein. Insbesondere ist aber fehlende Bereitschaft, problematische Ausagen oder Taten zu reflektieren, ein Ausschlussgrund. Wenn wiederholtes problematisches Verhalten die fehlende Bereitschaft zu tatsächlichen Verhaltensänderungen erkennen lässt, kann auch das ein Ausschlussgrund sein.
Wir nehmen es im Zweifel lieber in Kauf, dass ein Zugehörige*r einer gesellschaftlich privilegierten Gruppe ausgeschlossen wird, als dass Menschen marginalisierter Gruppen sich zurückziehen, weil sie sich aufgrund von struktureller Diskriminierung innerhalb unserer Bewegung nicht mehr wohlfühlen können.
Bei Bedarf können marginalisierte Gruppen (bspw. FLINTA*, BiPOC) Menschen aus der Bewegung ausschließen. Dies erfolgt unter Einbezug aller Aktiven der marginalisierten Gruppe im Konsens oder Postkonsens („Weg des geringsten
Widerstands“). Der Ausschluss einer Person erfolgt auf Grund von Verstößen gegen das Awarenesskonzept oder die Konsense. Eine Zustimmung des Gesamtplenums
ist explizit nicht notwendig. Diese Betroffenenplena bekommen die Kompetenz, keineswegs aber die Verantwortung dafür, Menschen auszuschließen, Awareness
bleibt Gruppenaufgabe.
Mit unserem Anspruch, in unserer Bewegung der Vision von hierarchiefreiem, gleichberechtigtem und achtsamem Zusammenleben näherzukommen, gehen hohe Ansprüche an Awareness und Selbstreflexion einher. Wir sind uns bewusst, dass dies auch ausschließend ist. Um dennoch so inklusiv wie möglich zu bleiben, formulieren wir die faktisch vorhandenen Erwartungen an Neueinsteiger*innen
möglichst explizit. Achtsamkeit und Selbstreflexion ist allerdings nie abgeschlossen und auch von langjährig Aktiven erwarten wir stetige Auseinandersetzung mit diesen Themen.
Konkret erwarten wir von Menschen, die sich aktiv in unserer Bewegung einbringen, dass sie abhängig von ihrer Positionierung in der Gesellschaft, sich spätestens in den ersten Wochen ihres Engangements mit folgenden Themen auseinandersetzen:
- Von cis Männern erwarten wir (FLINTA* legen wir ans Herz), sich mit Männlichkeits- und Weiblichkeitsanforderungen, (cis-) männlichen Privilegien, sexualisierter Gewalt, toxischer/hegemonialer Männlichkeit, männlicher
Zerbrechlichkeit und mit der eigenen Dominanz zu beschäftigen - Von cis Personen erwarten wir, sich mit Nichtbinarität und cis-Privilegien auseinanderzusetzen
- Von weißen Menschen erwarten wir, sich mit strukturellem, institutionellem, individuellem und internalisiertem Rassismus, weißen Privilegien und weißer Zerbrechlichkeit auseinanderzusetzen.

